5 Jahre ex GKN
Das Fabrikkollektiv ex GKN feierte am 11. Juli in Campi Bisenzio 5 Jahre Widerstand gegen die Schließung der GKN-Fabrik. Einen Tag später, am 12. Juli, fand die Versammlung der Genossenschaft ex GKN FOR FUTURE (GFF) statt, bei der über die Neuausrichtung entschieden wurde.

Nach 5 Jahren permanenter Betriebsversammlung geht der Kampf des Collettivo di Fabbrica in eine neue Phase. Bei der Genossenschaftsversammlung haben die Mitglieder beschlossen, dass der Streikposten in der GKN-Fabrik geräumt wird und bis Ende September der Mietvertrag für eine ehemalige Metallfabrik unterzeichnet wird, um mit der Produktion von Lastenrädern ab Januar 2027 zu starten. Die Montage, das Recycling und die Produktion von Solarpaneelen braucht einen längeren Vorlauf, doch die Vorbereitungen laufen schon. Bittere Tatsache: Es wird nicht die GKN-Fabrik sein, in der die Produktion startet.

Der neue Besitzer der Fabrik hat die Räumung der Fabrik zur Bedingung gemacht, um den Arbeitern ihre ausstehenden Löhne zu zahlen. Die ausstehenden Löhne belaufen sich auf 16 Millionen Euro. Da es auch um die Löhne derjenigen geht, die den Kampf schon lange verlassen haben und da das Fabrikkollektiv diese nicht gegen sich aufbringen will, haben die ex-GKN Arbeiter beschlossen, die Fabrik zu räumen. Alle Gerichte haben bestätigt, dass die ausstehenden Löhne den Arbeitern in voller Höhe ausgezahlt werden müssen. In der Fabrik sind Maschinen und Materialien vom Gerichtsvollzieher mit Pfändungssiegeln versehen worden, um die Zahlungen zu garantieren.

Die gute Nachricht: Die Finanzierung steht! Dank eurer Anteile und Spenden war die die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich, bei der über 1 Million Euro in Genossenschaftsanteilen und fast 200.000 Euro an Spenden zusammengekommen sind. Allein aus Deutschland wurden Anteile in Höhe von 300.000 Euro gezeichnet!

Hier der Beschluss der GFF-Mitglieder bei der Versammlung am 12. Juli 2026 “Das Risiko ist hoch, aber die Zeit drängt: Wir stechen in See!”(PDF) und der neue GFF-Geschäftsplan (PDF).

Die Crowdfunding-Kampagne ist offiziell beendet, es wird aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder möglich sein, Genossenschaftsanteile zu zeichnen. Weiterhin kann aber gespendet werden entweder über eine Spendenseite des ARCI Netzwerks oder über den deutschen Verein CHANGE e.V., der auch Spendenquittungen ausstellen kann. Siehe: https://linkstapel.de/@collettivo_di_fabbrica

Konversion statt Schließung: Seit ihrer Kündigung über Nacht am 9. Juli 2021 kämpft das Fabrikkollektiv ex GKN für die Konversion des ehemaligen Autozuliefererbetriebs GKN in Campi Bisenzio bei Florenz. Die Fabrik wurde stillgelegt und über 400 Arbeiter*innen haben ihre Arbeitsplatz verloren. Statt wie bisher Antriebswellen herzustellen, wollen sie in Zukunft Lastenräder und Photovoltaik-Module produzieren, um so nachhaltige Jobs zu schaffen. Dafür haben sie die Genossenschaft ex GKN FOR FUTURE (GFF) gegründet. Der Geschäftsplan und die Finanzierung haben mehreren Prüfungen standgehalten.

Zwar ist auf ihre Initiative in im Regionalparlament in Florenz ein Gesetz zur Einführung von Industriekonsortien beschlossen worden, das es ermöglicht, Arbeitergenossenschaften zum Zweck der Reindustrialisierung Industriebrachen übergeben zu können. Doch das im Sommer 2025 gegründete Industriekonsortium hat bis heute keinen Handstreich getan. Dann hat sich auch noch ein Großinvestor aus der Finanzierung zurückgezogen.

Trotz der Widerstände bleibt das Ziel, die erste öffentliche sozial integrierte Fabrik zu eröffnen. Und womöglich kommen wir in diesem Sommer dem Ziel einen Schritt näher.

Mehr zur Geschichte der Beschäftigten

Nachdem alle Beschäftigten des damaligen GKN-Werks im Juni 2021 übers Wochenende gekündigt wurden, haben sich etwa 350 der Ar­bei­te­r*in­nen zusammengeschlossen und eine „unbefristete Betriebsversammlung“ organisiert – eine legale Form der Werksbesetzung, die immer noch ununterbrochen läuft.

Seitdem haben die Kollegen zwei mal vor Gericht gegen die Kündigung gewonnen und sich mit der italienischen Klimabewegung zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie einen Zukunftsplan für das Werk und die Arbeitsplätze entwickelt: Statt Autoteile wollen sie Lastenräder, Photovoltaikmodule und später auch Batterien produzieren.

Dafür erhalten sie immer mehr Unterstützung aus der Breite der Gesellschaft: Bei der größten Demonstration in Florenz kamen rund 35.000 Unterstützer*innen zusammen: Kirchenvertreter*innen, Gewerkschaften, Klimabewegung, lokale Bürger*innen und viele mehr waren dabei.

Bei Fragen schreibt gerne an die deutsche Soli-Gruppe: exGKN-support@proton.me




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Fragen und Antworten zur Genossenschaftsmitgliedschaft

Warum beträgt ein Anteil 100€ und der Mindestbetrag für eine Anteilszeichnung 500€?

Die Stückelung beträgt 100,00 €, um denjenigen, die an der Genossenschaft teilnehmen wollen, aber keine 500,00 € investieren können, dazu die Möglichkeit zu geben. Diese Personen können eine Gruppe bilden und einen gemeinsamen Anteil erhalten für den sie einen Vertreter benennen und als Anteilseigner eintragen lassen.
Beispiel: Wir sind 5 Freunde, jeder von uns investiert 100 € und wir zeichnen gemeinsam einen Anteil von 500 €. Einer von uns beantragt die Mitgliedschaft in der Genossenschaft und erhält eine Stimme in den Versammlungen sowie die jährliche Gewinnrendite. Anschließend werden wir diese Rendite teilen, wie es gute Freunde tun.

Wie wird die Rendite berechnet?

Grundsätzlich gilt:

Um die Spekulation mit Genossenschaftsanteilen zu unterbinden ist die maximal auszahlbare Rendite für diese Art von Genossenschaft in Italien an die durchschnittliche Rendite von Postsparanleihen mit einer Laufzeit von 3 Jahren gekoppelt.

Im Fall von GFF gilt:

Die finanziell Beteiligten Mitglieder erhalten jedes Jahr, in dem Gewinn erzielt wird, eine maximale relative Vergütung in Höhe der durchschnittlichen Rendite von Postsparanleihen mit einer Laufzeit von 3 Jahren, zuzüglich einer von der Genossenschaft festgelegten zusätzlichen Vergütung von 0,25 % über diesem Durchschnitt.

Darüber hinaus fällt jedes Jahr eine fixe Rendite von 0,25% an, unabhängig davon, ob die GFF einen Gewinn erzielt. Diese wird allerdings nur – dann in kumulierter Form – ausgezahlt, sobald Gewinn erzielt wird. Heißt: In dem Geschäftsjahr, in dem ein Gewinn erzielt wird, erhält der/die Genoss:in die im Vorjahr angefallene feste Rendite plus 0,25% der festen Rendite des abgelaufenen Jahres plus die durchschnittlichen Rendite von Postsparanleihen (z.B. 3%) plus weitere 0,25% („Zusatzbetrag der von GFF festgelegt ist“).

BEISPIEL für die maximale Vergütung:

  • 500€ Nennwert meines Anteils
  • Jahr 00 kein Gewinn = 0,25% fest = 1.25€ (bleibt in der Kasse der Genossenschaft)
  • Jahr 01 Gewinn erzielt = 0,25% fest = 1,25€ +
    • durchschnittliche BFP-Rate 3% = 15,00€ +
    • Zusatz der von GFF festgelegt wird (bis max. 2%); aktuell 0,25% = 1,25€ +
    • aufgelaufener Ertrag für das Jahr 00= 1,25€ =
  • GESAMTBETRAG, der mir gutgeschrieben wird = 18,75€

Kann ich mit Freund*innen zusammenlegen und gemeinsam Anteile erwerben?
Die Stückelung beträgt 100,00 €, um denjenigen, die an der Genossenschaft teilnehmen wollen, aber keine 500,00 € investieren können, dazu die Möglichkeit zu geben. Diese Personen können eine Gruppe bilden und einen gemeinsamen Anteil erhalten für den sie eine*n Vertreter*in benennen und als Anteilseigner eintragen lassen.
Beispiel: Wir sind 5 Freunde, jeder von uns investiert 100 € und wir zeichnen gemeinsam einen Anteil von 500 €. Eine*r von uns beantragt die Mitgliedschaft in der Genossenschaft und erhält eine Stimme in den Versammlungen sowie die jährliche Gewinnrendite. Anschließend werden wir diese Rendite teilen.